Als Johann Sebastian Bach am 24. März 1721 die Partitur seiner sogenannten „Brandenburgischen Konzerte“ unterzeichnete, konnte er vermutlich nicht ahnen, dass diese „Six Concerts avec plusieurs Instruments“ nicht nur eine der beliebtesten Sammlungen in der Musikgeschichte sein würde, sondern dass es hiervon zahllose, heute auf Tonträgern veröffentlichte, Interpretationen geben würde. Die Musiker*innen des legendären CONCENTUS MUSICUS WIEN waren die ersten, die alle sechs Konzerte erstmals auf historischen Instrumenten aufgenommen hat. Live hingegen hört man die Stücke leider selten, was vor allem an der unterschiedlichen Besetzung liegt. Jedes der sechs Werke verlangt eine andere Instrumentierung.

Obwohl die Werke bekannt sind, sich Ausführende und Wissenschafter Gedanken darüber machen, stellen sich immer  noch ein paar Fragen wie z.B.: Was meinte Bach im 4. Concert mit „Flauti d’echo“?  Sind Alt- oder Bass-Violen da gamba im im 6. gemeint? Gleichzeitig kann festgestellt werden, dass die unterschiedlichen Besetzungen der ersten beiden Werke fast experimentell anmuten: da demonstriert der Violino piccolo (es ist eben keine „normale Geige“) im 3. Satz von Concert 1, dass er sich gegen ein großbesetztes Orchester durchsetzten kann. Und Trompete, Blockflöte, Oboe und Violine treten solistisch im 2. Konzert hervor – unterschiedlicher hat niemals zuvor und kaum danach ein Komponist Soloinstrumente zusammengestellt.

Betrachtet man die einzelnen sechs Werke, so gibt es  durchweg in jedem Concert ein Novum, man könnte fast sagen einen „Schocker“: Schon im zweiten Takt des 1. Konzerts halten die Hörner mit ihren Triolen munter gegen 16-tel und 8-tel des restlichen Orchesters, im 2. ist’s die oben beschriebene irrwitzige Instrumentenkombination, im 3. gibt es einen mittleren Satz, der nur aus zwei Akkorden besteht (was oder wer darf oder soll etwas improvisieren?), das 4. Concert ist im Prinzip durch die Behandlung der Sologeige ein Violinkonzert, aber die Flöten machen ihr eigenes Ding, dann aber wieder sind sie „nur“ Tutti-Verstärkung. Die grandiose Cembalokadenz in Nr. 5 hat dem Werk oft das Attribut des „ersten Klavierkonzertes“ der Musikgeschichte eingebracht und im 6. Concert verlangt Bach zweimal im Violone ein Sub-Kontra B – ein Ton, der auf einem Kontrabass nicht spielbar ist (es sei denn, man stimmt die tiefste Saite auf eben diesen Ton und erzeugt nur noch „heiße Luft“)…. will Bach, dass in den Takten 45 und 110 des letzten Satzes der Spieler oder die Spielerin eben dort ein Residuum (oder auch Residualton genannt) erzeugt? Schock für alle – für die Ausführenden, für die Zuhörenden und die Musikwissenschaft, die sich bei diesen 6 Werken freundlich aus ihrem Schubladendenken verabschieden darf.

Wir möchten Ihnen gerne die Konzerte II, IV, V und VI  präsentieren.

 

Ausführende

Justin Bland – Barocktrompete
Mareike Beinert – Travers- und Blockflöte
Thomas Rink – Blockflöte
Friederike Koehncke – Oboe
Britta Gemmeker – Violine und Viola
Henning Vater – Violine und Viola

Paul Bialek – Violine
Carla Linné – Violine und Viola da gamba
Susanne Horn – Viola da Gamba und Violone
Andreas Vetter – Violoncello
Thomas Petersen-Anraad – Kontrabass
Christian Zierenberg – Cembalo